meine meinung zu aufgezeichneten seminaren

Vorproduziertes "e-learning" und Seminaraufzeichnungen auf Video und warum ich diese nicht anbiete


Ausdrücklich möchte ich vorab anführen, dass folgende Zeilen meine persönliche Meinung kundtun. Andere Anbieter oder Institutionen können das selbstverständlich ganz anders sehen, eine Kritik daran möchte ich jedenfalls nicht üben!

E-Learnings und dokumentiertes Wissen sind grundsätzlich sinnvoll

Aufgezeichnetes Wissen, insbesondere wenn es gut strukturiert ist, ist ein wichtiges Gut unserer Zivilisation. Das war in der Antike nicht anders als heute. Wir lernen, von der Grundschule bis zur Universität und Berufsausbildung immer aus aufgezeichnetem Wissen, und das ist gut so. So muss man auch vorproduzierte Wissensvermittlungen wie beispielsweise aufgezeichnete Seminare, vorproduzierte "web-based-Trainings" oder "WBT" (im allgemeinen Sprachgebrauch "e-learning"), die Wissen komprimiert und gut strukturiert näher bringen sollen, einschätzen. Sie können ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung für ein Seminar oder eine Prüfung sein, oder aber auch für gewisse Themen, beispielsweise "Geldwäsche in der Versicherungswirtschaft" oder "Grundlagen der DSGVO" für sich alleine stehen.

 

Aber wir sollten klar unterscheiden zwischen "aufgezeichnetem Wissen" welches man (im Selbststudium) lernt und solches, welches meiner Ansicht nach als eine "Weiterbildung im Sinne von IDD" gilt oder zumindest gelten sollte.

die rechtliche situation in den lehrplänen: meine sichtweise

Die einschlägigen Lehrpläne sprechen von "vereinfachtem Lernen" in Form vom "Webinaren, online-Kursen und e-trainings". Das Verhältnis zwischen "Präsenzveranstaltungen" und dem "vereinfachten Lernen" soll "ausgewogen" sein. Sprich: maximal die Hälfte der Verpflichtung kann über vereinfachtes Lernen erfüllt werden (was als durchaus sinnvoll erscheint, da das Präsenzseminar meiner Ansicht nach den bestmöglichen Nutzen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bringt).

 

Der Gesetzgeber vereinheitlicht jedoch die Begriffe "Webinar", "online-Kurs" und "e-learning". Ein Webinar ist grundsätzlich "live" (muss es aber nicht, es kann auch aufgezeichnet sein). Sprich: es gibt eine mehr oder weniger ausgeprägte Interaktionsmöglichkeiten mit den Vortragenden. Ein vorproduziertes "WBT" ist klassisch ein aufgezeichnetes Wissensangebot, also nicht "live". Somit würde man ein vorproduziertes "WBT", aber auch ein auf Video aufgezeichnetes Seminar oder ein aufgezeichnetes Webinar, eher als Selbststudium betrachten. Ein Selbststudium hingegen ist in den Lehrplänen ausdrücklich ausgeschlossen. 

 

Ob der Gesetzgeber das so gewollt hat, sei hier einmal dahingestellt. Aber mangels Definition sollte beispielsweise ein WBT oder ein aufgezeichnetes Webinar auch den Lehrplänen entsprechen.

 

Unabhängig von meines Erachtens unpräzisen Formulierungen in den Lehrplänen entsprechen "aufzeichnete Veranstaltungen", unabhängig von ihrer Qualität, nicht meinem Anspruch an meine Seminare oder Webinare und was ich als unabhängiger Bildungsträger meinen Teilnehmern und Auftraggebern bieten möchte!

ich möchte qualität bieten. qualität heisst aktualität und interaktionsmöglichkeit

Man mag mich "vom alten Schlag" schelten, aber eines habe ich in all meinen Jahrzehnten in der Branche gelernt: Ein Seminar steht und fällt mit der Qualität der Vortragenden. Diese bieten DEN Mehrwert für Teilnehmer schlechthin, wenn Zwischenfragen gestellt werden können und, dies sollte man nie unterschätzen, auf AKTUELLE Marktsituationen und Rahmenbedingungen, wenn auch nur verbal, schon im Vortrag eingegangen werden kann. Dieser Faktor fällt bei Aufzeichnungen vollkommen weg. 

 

Ich sehe für die Teilnehmer auch durch Aufzeichnungen KEINERLEI Mehrwert (außer vielleicht, dass er diese jederzeit abrufen kann, also beispielsweise auch um 3:00 früh). Einen Mehrwert sehe ich auch nicht finanziell: Als Bildungsträger sehe ich mich in der Verpflichtung, die verpflichtende Weiterbildung auch zu einem vernünftigem Preis anzubieten. Dem werde ich mit meinen Webinaren auch gerecht, und dies sind ausdrücklich "LIVE-WEBINARE". Der Vortragende sitzt also in Echtzeit am "anderen Ende der Leitung".

 

Technisch ist natürlich Vieles machbar. Beispielsweise dass Teilnehmer die vollständige Aufzeichnung laufen lassen müssen um überhaupt Stunden angerechnet zu bekommen, ebenso natürlich die verpflichtende "Wissensüberprüfung" (welche bei aufgezeichneten Veranstaltungen natürlich randomisiert sein muss - also bei jedem Abruf andere Fragen kommen können. Ansonsten würde die Regelung vollkommen konterkariert). Aber nur weil etwas technisch möglich, heißt das nicht, dass es im Sinne der Sache, nämlich der Weiterbildungsverpflichtung, ist. 

kurzum: qualität vor massenabfertigung

Aufgrund der obig kurz angeführten Gründe kann ich es mit meinem Qualitätsanspruch als unabhängiger Bildungsträger keinesfalls vereinbaren, Stunden für den Abruf aufgezeichneter Seminarinhalte in meinem Namen zu vergeben. Andere Bildungsträger können dies gerne tun (denn gesetzlich erscheint es zumindest in der aktuellen Form durch eine eher schwammige Formulierung im Zweifel als gedeckt), aber ich glaube nicht, dass wir uns alle miteinander damit nachhaltig einen guten Dienst erweisen.

 

Es grüßt Sie